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Pacht einer PV-Anlage – günstige Alternative zum Kauf?

Der Trend ist klar: Eigenheimbesitzer streben bei sprunghaft steigenden Strompreisen nach Unabhängigkeit vom Energieversorger. Ist genug geeignete Dachfläche vorhanden, kommt natürlich eine eigene Solaranlage in Frage.

Die Investition in ein solches Photovoltaik-System auf dem eigenen Dach kann aber mit oder ohne Speicher eine ordentliche Summe erfordern.

Da kommen Angebote gerade recht, die die Nutzung eines Solarkraftwerkes auf dem Hausdach ohne Anschaffungskosten versprechen. Ob von „Miete“ oder „Pacht“ gesprochen wird, ist eigentlich egal – ein Investor installiert die Anlage, der Kunde bezieht 20 Jahre „günstigeren“ Strom und profitiert in der Regel von der Einspeisevergütung für den nicht selbst genutzten Strom vom Dach. Dafür zahlt der Eigenheimbesitzer 20 Jahre einen festen monatlichen Mietbetrag.

Idealismus oder wirtschaftlicher Nutzen?

Ob sich eine PV-Anlage lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist, welche persönlichen Ziele damit verfolgt werden. Möchte man in erster Linie aktiv zum Klimaschutz beitragen, ist eine solche Solaranlage in jedem Fall empfehlenswert.

Ob ein solches Miet- oder Pachtmodell aber auch wirtschaftlich ist, ist damit noch nicht entschieden.

Die Vorteile liegen zunächst einmal auf der Hand:

  1. Es fallen keine hohen Investitionen an.
  2. Anlage, Installation sowie Wartung und Versicherungen übernimmt der Anbieter.
  3. Sämtliche Kosten stehen bei Vertragsabschluss fest.
  4. Der Mieter hat keinen Verwaltungsaufwand.

Mieten ist teurer als kaufen

Dass die oben genannten Vorteile das Mieten einer Anlage meist teurer machen als den Kauf liegt in der Natur der Sache. Entscheidend ist, um wie viel teurer das Mietmodell ist.

Gradmesser sind die Gesamtkosten über die komplette Laufzeit. Diese müssten geringer ausfallen als die Gesamteinsparung an Stromkosten plus die Summe der erhaltenen Einspeisevergütungen. Und genau an dieser Stelle fangen die Unwägbarkeiten des Modells an.

Eigenverbrauchsquote

Je mehr eigener Solarstrom direkt genutzt wird, desto größer ist die Kostenersparnis, da hierfür kein teurer Strom aus dem Netz bezogen werden muss.

Es kann aber weder der produzierte Strom komplett selbst genutzt werden, noch kann der gesamte Strombedarf über die PV-Anlage gedeckt werden.

Daher ist für eine aussagefähige Wirtschaftlichkeitsberechnung die sogenannte Eigenverbrauchsquote relevant. Diese gibt an, welcher Anteil des produzierten Stroms selbst verbraucht wird. Die Einspeisung des übrigen Stroms ist finanziell weniger interessant. Die zusätzliche Integrierung eines Stromspeichers erhöht zwar die Eigenverbrauchsquote führt aber auch zu höheren Pachtzahlungen. In vielen Wirtschaftlichkeitsberechnungen wird der Eigenverbrauch zu hoch angesetzt und die Rechnung fällt daher positiver als in der Realität aus.

Schätzung der Strompreissteigerung

Wie wirtschaftlich die Anlage ist, hängt selbstverständlich auch davon ab, wie viel man für den Strom aus dem Netz bezahlt, und zwar über die gesamte Betriebsdauer! Ein wichtiger Bestandteil einer Wirtschaftlichkeitsberechnung ist daher die Annahme über prognostizierte Strompreissteigerungen im Verlauf der Betriebsdauer. Diese ist zwar willkürlich, beeinflusst die Höhe der vorhergesagten Ersparnis aber erheblich. Üblich und seriös sind hierbei Prognosen von 2 bis 3 Prozent. Alles was darüber hinaus geht, lässt die Wirtschaftlichkeit des Mietmodells in der Vorschau attraktiver erscheinen.

Übrigens: Der momentane steile Anstieg der Stromkosten macht natürlich auch das Mietmodell attraktiver.

Fazit

Bei den Angeboten für eine zu mietende PV-Anlage sollte man Vorsicht walten lassen! Da der Anbieter eines solchen Modells selbst auch verdienen möchte, ist es für den Mieter in der Regel deutlich teurer als eine eigene Investition. Auch bei seriösen Wirtschaftlichkeitsberechnungen kommt der Mieter häufig erst nach 18 bis 20 Jahren (!) in den positiven Bereich.

Als Alternative sollte daher unbedingt auch die Finanzierung einer PV-Anlage geprüft werden. Die bundeseigene KfW unterstützt den Investor zurzeit noch mit zinsgünstigen Darlehen.

Bei Eigeninvestition und/oder Finanzierung ist allerdings der Käufer selbst für den Betrieb der Anlage verantwortlich.

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