Energie-Blog

Mittelfristige Einschätzung der Energiemärkte

Strom

Nicht erst seit der Korrektur der Bundesregierung (Wirtschaftsministerium) bei der Einschätzung des Strombedarfs der nächsten Jahre ist klar, dass dieser aus den verschiedensten Gründen stark ansteigen wird. Nicht nur die Schwer-, Stahl- und Chemieindustrie benötigt bei ihren Effizienzbemühungen mehr Strom, auch die Umstellung auf Elektromobilität spielt hier eine wichtige (staatlich geförderte) Rolle.

Da zeitnah die erforderlichen Strommengen durch den Ausbau der Windkraft und deren Transport vom Norden in den Süden kaum gelingen kann, kommt der dezentralen Energieerzeugung/Energieverteilung incl. damit verbundener Speicherlösungen eine wachsende Bedeutung zu.

Das Prognos-Institut geht davon aus, dass darüber hinaus die Steigerung des Zielniveaus beim Klimaschutz die Stromnachfrage massiv erhöhen wird. (Handelsblatt vom 10.05.2021)

Einen Vorgeschmack erhalten wir in Deutschland gerade in den letzten 4 Monaten.

Auch wenn eine seriöse Prognose zur Strompreisentwicklung problematisch ist, so dürfte doch unstrittig sein, dass die gerade erst hochgeschnellten Preise mittelfristig nicht mehr auf das Niveau von 2020 zurückgehen werden. (siehe oben)

Wer daher die Möglichkeit hat (privat oder gewerblich), einzukaufenden Strom durch eigenerzeugten zu substituieren, kann hierbei wohl nur gewinnen.

Gas

Hier erscheint eine Einschätzung noch schwieriger.

Auch der Gasbedarf wird wohl eher steigen, da Gas mehrheitlich als Übergangsenergieträger zu den „Erneuerbaren“ gesehen wird und gerade aktuell auf europäischer Ebene Gas und Atomkraft wohl als „Grüne Energien“ eingestuft wurden.

Die (gasbetriebene) BHKW-Technik wird bei dieser Entwicklung aufgrund ihres hohen Effizienzgrades eine wichtige Rolle spielen.

Die Preisentwicklung hängt dabei von Faktoren ab, die zu prognostizieren wohl unmöglich erscheinen.

Da Deutschland sein Gas importieren muss, sind dies in erster Linie politische Faktoren, die – wie man am Beispiel Russland sehen kann – sogar tagespolitischen Schwankungen unterliegen.

Lag der Gas-Börsenpreis vor einem Jahr noch bei etwa 1,5 Eurocent muss der „normale“ Gewerbekunde, wenn er jetzt abschließt, mit ca. 6 Eurocent/kWh rechnen!

Da die mittelfristige Orientierung hin zur „Sektorenkopplung“ (Strom wird durch staatlich geförderte Wärmepumpentechnologie und Kraft-Wärme-Kopplung auch immer mehr durch die Primärenergie „Gas“ erzeugt.) unumkehrbar ist, wird nach unserer Einschätzung auch der Preis für Gas durch ständig steigende Nachfrage nicht mehr auf das Niveau von 2020 zurückgehen. Dabei sind allerdings starke Preisschwankungen nie ganz auszuschließen.